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Der keltische Helm von Pfatten
Während der Eisenzeit ließen sich keltische Stämme in der heutigen Poebene Norditaliens nieder. Bald pflegten die im Alpenraum lebenden Stämme rege Kontakte zu den Kelten. Besonders deren neuartige Waffen erfreuten sich großer Beliebtheit. Zur keltischen Schutzbewaffnung zählten eiserne Helme. Im Gräberfeld von Pfatten südlich von Bozen fand sich ein solcher keltischer Knaufhelm aus dem 4.-3. Jahrhundert v. Chr. An der Helmkalotte ist ein Nackenschutz angenietet und am Scheitel der Kalotte ein Knopf bzw. Helmknauf. Die zum Helm gehörenden Wangenklappen fehlen.
Rohstoff Eisen
Eisen ist nach Aluminium das zweithäufigste Metall der Erde. Im Gegensatz zur Herstellung von Bronze, das aus 90% Kupfer und 10% Zinn besteht, erfordert Eisen kein Legierungsverfahren. Außerdem ist Eisen weitaus elastischer und härter als Bronze. Dementsprechend groß, ist die breite Palette an Werkzeugen und Geräten, die ab dem 9. Jahrhundert v. Chr. in Europa daraus hergestellt wurden: Beile, Äxte, Hämmer, Ambosse, Pickel, Rebmesser, Sensen, Ackerhauen, Glocken und Schellen der Tiere, Hufeisen, Wagenteile, Bratspieße, Feuerböcke, Schürhaken, Türbeschläge, Klammern und Zwingen für Holzkonstruktionen, Schlüssel, Steigeisen und Waffenausrüstungen wie Schwerter, Helme oder Beschläge der Kampfschilde.
Unter die Lupe genommen: Herstellung und Verarbeitung von Eisen
In der Vorgeschichte wurde Eisen in Schachtöfen verhüttet. Darin stapelte man Holzkohle und Eisenerz in Schichten übereinander. Allerdings gelang es nicht, die ausreichend hohe Temperatur von 1539º Celsius zu erzeugen, um das Eisen flüssig zu schmelzen und es in Formen zu gießen. Das Erz zerschmolz nicht, sondern zerrann. Daher die Bezeichnung „Rennfeuerofen“. Das zerronnene Eisen wurde entnommen und die Eisenstücke weiter erhitzt, damit sich ein Klumpen bildete. Dieser Eisenklumpen musste schließlich mit dem Hammer so lange bearbeitet werden, bis die gewünschte Form daraus entstand. Hergestellt wurden vor allem Werkzeuge, landwirtschaftliche Geräte und Waffen.
Die Räter
Während der jüngeren Eisenzeit lebten im zentralalpinen Raum die Räter. So zumindest berichten es griechische und römische Autoren ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. Allerdings sprechen die antiken Schriftsteller nie ausdrücklich von einem Stamm der Räter, sondern erwähnen eine Vielzahl im Rätergebiet siedelnde Stämme.
Die wahrscheinlichste Erklärung der Bezeichnung „Räter“ ist, dass die alpinen Stämme aufgrund ihrer gemeinsamen Verehrung der Göttin Reitia von Außenstehenden als Räter bezeichnet wurden. Das Siedlungsgebiet dieser Stämme lag hauptsächlich im weiteren Umfeld des Etschtales und des Inntales beidseitig des Alpenhauptkammes.
Räter, Kelten und Etrusker
Um 550 v. Chr. erfolgte ein wesentlicher kultureller Wandel im mittleren Alpenraum. Unter mediterranen Einflüssen entwickelte sich in den südlichen Alpentälern die Fritzens-Sanzeno-Kultur, die sich schnell auch über den Alpenhauptkamm nach Norden ausbreitete.
Als Träger der Fritzens-Sanzeno-Kultur übernahmen die Räter dabei wichtige Impulse von den Etruskern, die seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. in der Poebene zahlreiche Städte gegründet hatten. Zu den auffälligsten Importgütern aus dem Süden zählten große Bronzegefäße mit bildlichen Darstellungen von Opferzeremonien. Als gegen 400 v. Chr. Kelten in Oberitalien eindrangen, wird auch keltischer Einfluss deutlich spürbar. Die rätischen Krieger übernahmen Eisenschwert und Eisenhelm von den Kelten, die Frauen Glasarmringe in keltischer Tradition. In den Gräbern traten erstmals Waffen als Beigaben auf. So auch im Gräberfeld von Pfatten unweit von Bozen, wo einer der verstorbenen Männer mit seinem keltischen Knaufhelm bestattet wurde.


