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Die Keramikschale von Villanders-Plunacker
Während der europäischen Jungsteinzeit stellen die Menschen erstmals Keramik her. Die Schale von Villanders-Plunacker aus gebranntem Ton stammt aus einer Fundstelle im Eisacktal südlich des Alpenhauptkammes. Sie datiert in das ausgehende 6. Jahrtausend v. Chr. und ist eines der frühesten Zeugnisse der Keramikproduktion dieser Region. Das eingeritzte Netzmuster verweist auf die Gabàn-Gruppe. Diese zeichnet sich durch Impresso-Keramik und geometrische Ritzmuster aus und entwickelte sich unter Einfluss oberitalienischer Kulturgruppen aus der Poebene.
- Die Geburtsstunde der Schüssel – aus Ton wird Keramik
- Formen, verzieren, brennen – ein Gefäß entsteht
- Feste Häuser und Ackerland
- Die Arbeit der Restauratoren: Scherben bringen Glück
Die Geburtsstunde der Schüssel – aus Ton wird Keramik
Für die Herstellung von Keramik braucht es Ton. Der entsteht im Laufe von Jahrmillionen durch die Verwitterung von Gestein zu feinem Pulver, das sich zu Tonerde verfestigt. Für die Weiterverarbeitung zu Keramik muss der Ton allerdings gereinigt und bisweilen ein Magerungsmittel wie Sand oder Getreidespreu zugesetzt werden. Nur so erhält er die richtige Zusammensetzung, um daraus ein Gefäß fertigen zu können, das die gewünschte Form beibehält. Bereits während der Jungsteinzeit erlernten die Menschen in Europa unterschiedliche Techniken der Keramikherstellung.
Formen, verzieren, brennen – ein Gefäß entsteht
In der Jungsteinzeit kannten die Menschen in Europa drei unterschiedliche Techniken zur Herstellung von Keramik. Bei der Aushöhltechnik wird eine Tonkugel ausgehöhlt. Die so entstandene Gefäßwand muss nur mehr gleichmäßig ausgeformt werden. Bei der Treibtechnik formt man aus einem Tonklumpen zunächst einen Fladen und legt diesen über einen Stein oder das eigene Knie. Durch Schläge mit einem Klopfholz entsteht daraus ein Hohlkörper. Die Aufbaukeramik besteht hingegen aus Tonwülsten, die übereinander gelegt und miteinander verstrichen werden. Mit dieser Technik wurde beispielsweise die Keramikschale von Villanders-Plunacker hergestellt.Ist der Ton noch feucht, und zwar lederhart, lassen sich problemlos Verzierungen anbringen. Erst dann legten die jungsteinzeitlichen Keramikhersteller ihre Gefäße zum Brennen ins offene Feuer. Später entwickelten sie eigene Brennöfen.
Feste Häuser und Ackerland
Während der Jungsteinzeit veränderten sich die Lebensgewohnheiten der Menschen in Europa grundlegend. Die Familien ließen sich dauerhaft an einem Ort nieder. Sie erbauten feste Häuser aus Holz mit Flechtwerkwänden und Lehmverputz. Durch Brandrodung gewannen sie Ackerland. Beliebte Siedlungsplätze im Alpenraum waren sonnige Mittelgebirgsterrassen, auf denen die Feldpflanzen gut gediehen. Die neue Lebensweise brachte es mit sich, dass der einmal gewählte Siedlungsort auch geschützt werden musste. Es galt, das eigene Territorium gegen mögliche Eindringlinge zu verteidigen. Gegen Ende der Jungsteinzeit verlegten daher einige Dorfgemeinschaften ihre Niederlassungen auf geschützte Anhöhen.
Die Arbeit der Restauratoren: Scherben bringen Glück
Nur wehninge Scherben genügen, um ein Keramikgefäß zu rekonstruieren. Um den Gefäßdurchmesser zu ermitteln, wird eine Randscherbe mit der Randlippe auf Transparentpapier gelegt und die Kontur nachgezeichnet. Diese Umzeichnung wird dann auf ein kreisrundes Millimeterpapier übertragen, um den einstigen Durchmesser des Gefäßes zu bestimmen. Mit demselben Verfahren lässt sich anhand einer Bodenscherbe der ursprüngliche Bodendurchmesser ermitteln. Anhand der so gewonnenen Maßangaben lässt sich eine Schablone aus Karton erstellen. Sie dient bei der Restaurierung als Anhaltspunkt, um die fehlenden Gefäßteile mit Gips zu ergänzen.


