Hauptinhalt

Laugen jug

Der Laugener Krug von Klausen-Seeberg

Archäologen definieren vorgeschichtliche Kulturgruppen meist anhand einer einheitlichen Keramikproduktion. Die erste eigenständige Kulturgruppe, die sich in den Tälern südlich des Alpenhauptkammes während der späten Bronzezeit herausbildet, ist die Laugen-Melaun-Kultur. Für den sogenannten Laugener Krug sind warzenförmige Verzierungen und hornartige Fortsätze am Mundsaum typisch. Der 18,3 cm hohe Krug datiert in die Endbronzezeit. Damals bestand am Seeberg ein Opferplatz, der über Jahrhunderte hinweg bis in die frühe europäische Eisenzeit in Verwendung stand.

Unter die Lupe genommen: Die Laugener Keramik

Während der europäischen Bronzezeit stellen die Menschen ihre Keramikgefäße noch handaufgebaut  her. Die Töpferscheibe ist noch unbekannt. In den südlichen Alpentälern zwischen Brenner und Verona ist in der späten Bronzezeit die Keramik vom Typ Laugen-Melaun kennzeichnend. Kannen und Krüge tragen typische Verzierungen in Form von aufgelegten Zierleisten und warzenförmigen Knubben. Der Mundsaum der Gefäße zeigt hornartige Fortsätze zu beiden Seiten des Henkels und einen dreieckig geformten Ausguss. Die Verzierung der rundstabigen Gefäßhenkel ahmt Korbflechtmuster nach. Die Verbreitung dieser Keramik deckt sich großteils mit dem Verbreitungsgebiet der gleichnamigen Laugen-Melaun-Kultur. Sie ist die erste eigenständige Kulturgruppe, die sich in diesem Gebiet selbstständig entwickelt und sich in der Folge auch auf Nachbarräume ausbreitet.
  

Ein Gefäß und seine vielfältige Verwendung

Die Keramik vom Typ Laugen-Melaun kam sowohl im Haushalt als auch bei kultischen Zeremonien zum Einsatz. Im Alltag diente sie als Haushaltsgeschirr. Aufwendig verzierte Gefäße wurden wohl bei Tisch verwendet. Einfache Vorratsgefäße blieben meist unverziert und waren gröber gearbeitet.
Dieselbe Keramik findet sich in den Alpentälern aber auch auf den Brandopferplätzen der späten Bronzezeit wieder. Dort diente sie als Gabe an die Götter. Im Zuge von kultischen Zeremonien zerschlugen die daran teilnehmenden Menschen vor allem Krüge für Trankopfer. Zusammen mit den verbrannten Überresten der Opfertiere wurden die Gefäßscherben am Opferplatz hinterlegt.
  

Einfach typisch!

Anhand von Keramikprodukten mit typischen Gefäßformen und kennzeichnender Verzierung lassen sich in der europäischen Vorgeschichte einzelne Kulturgruppen definieren. Das Verbreitungsgebiet dieser Keramik ist dabei gleichbedeutend mit dem Einzugsgebiet der jeweiligen Kulturgruppe. Ausnahmen bilden Einzelstücke, die etwa als Handelsware vertrieben wurden und auch anderswo auftreten können. In diesem Fall zeugen die Gefäße von Kontakten beziehungsweise Handelsverbindungen zwischen den verschiedenen Kulturgruppen.

Als Datierungshilfen für die zeitliche Einordnung von Fundkomplexen liefert Keramik wichtige Anhaltspunkte. Anhand der Entwicklung der Gefäßformen und Veränderungen im Verzierungsstil lassen sich mitunter verschiedene Zeitstufen innerhalb einer Kulturgruppe herausarbeiten.