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Die Rippenziste vom Eppan-Putzer-Gschleier
Wein als Trankopfer spielte bei den Etruskern der Poebene und den in den Alpen siedelnden Rätern eine zentrale Rolle bei Opferzeremonien. Das Getränk servierte man in großen verzierten Bronzeeimern. Ein solcher fand sich in der rätischen Siedlung von Putzer-Gschleier bei Eppan und datiert in die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Die wellblechartige Wandung gab dem zylindrischen Gefäß die Bezeichnung Rippenziste. Das Bildfries am unteren Gefäßrand zeigt in einer Prozession Menschen und gehörnte Tiere. Darunter Ziege, Pferd, Hirsch und Antilope.
- Schmuck und Geschirr – immer noch aus Bronze
- Unter die Lupe genommen – Wie entsteht eine Bronzesitula
- Wein und Kult
- Die Räter und ihre südlichen Nachbarn
- Das rätische Haus
Schmuck und Geschirr – immer noch aus Bronze
Bronzehandwerker blieben in Europa auch noch während der Eisenzeit hoch im Kurs. Vor allem Schmuck und Trachtzubehör gossen die Kunsthandwerker weiterhin aus Bronze. Die Gewandnadeln der Bronzezeit wurden während der Eisenzeit durch Fibeln ersetzt. Als Trachtzubehör sind diese Gewandspangen einer wechselnden Mode unterworfen. Ihre Form und Größe verändert sich ständig. Daher eignen sich Fibeln hervorragend für die Datierung von Fundkomplexen.
Neben Schmuck stellten die Bronzehandwerker während der Eisenzeit vor allem Geschirr her. Die Tassen, Schüsseln und eimerartigen Situlen dienten der Oberschicht als Luxusgüter, kamen aber auch bei kultischen Handlungen oder als Grabbeigaben zum Einsatz.
Unter die Lupe genommen – Wie entsteht eine Bronzesitula
Situlen sind aus Bronzeblech gefertigte, eimerartige Gefäße. Die vertikalen Nahtstellen der Gefäßwandung sind genietet. Auch die Henkel befestigte man mittels Niete am Gefäßkörper. Die aufwendig gestalteten Bildfriese wurden in Treibtechnik hergestellt. Dabei wird das Blech durch Hämmern von der Rückseite her bearbeitet. Dem Handwerker stehen dafür verschieden geformte Treibhämmer und Punzen zur Verfügung. Dessen gezielte Hammerschläge verändern die Materialeigenschaften des Metalls, das zunehmend härter und spröder wird. Durch zwischenzeitliches Erhitzen und anschließendem Abschrecken in Wasser, lässt sich die ursprüngliche Elastizität der Bronze aber wieder herstellen.
Wein und Kult
Spätestens seit der Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. bauten die in den südlichen Alpentäler siedelnden rätischen Stämme Wein an. Das bezeugen eisenzeitliche Rebmesser für die Weinlese und Werkzeuge zur Herstellung von Fässern. Für die Räter spielte Wein eine bedeutende Rolle bei ihren kultischen Zeremonien. Diesen Brauch hatten sie von den Etruskern der Poebene übernommen, zu denen die Räter rege Kontakte pflegten. Überliefert sind die Festlichkeiten durch bildliche Darstellungen auf den Situlen. Die Bildfriese zeigen große Bankette, Prozessionen mit Opfertieren und Wettkämpfe. Den Wein tranken die Teilnehmer aus Schöpfkellen. Funde derartiger Schöpfkellen untermauern die Bedeutung des Weins bei Festen und Kultzeremonien.
Die Räter und ihre südlichen Nachbarn
Die in den Alpen beheimateten Räter pflegten rege Kontakte zu ihren südlichen Nachbarn. Durch die enge Beziehungen mit Etruskern und Venetern gelangten technische Neuerungen aus dem mediterranen Raum in die Alpen. Dazu zählt etwa die Balkenhandmühle, die zu einer Revolutionierung der Mahltechnik führte. Ein Getreidetrichter garantierte nunmehr eine automatische Zufuhr des Mahlgutes, ein langer Hebel reduzierte die Belastung bei der Arbeit. Luxusgüter wie Gewürze, Öl, Koralle, Elfenbein und feines Bronzegeschirr gelangten über rätisches Gebiet bis in die Länder nördlich der Alpen.
Zu den bedeutendsten kulturellen Errungenschaften der Räter zählt die Übernahme der Schrift von den Etruskern. Ab 500 v. Chr. entstanden im gesamten „Rätergebiet“ verschiedene nordetruskische Alphabete, zu denen auch das Alphabet von Bozen zählt.
Das rätische Haus
Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. entstand in den von den Rätern besiedelten Alpentälern mit dem rätischen Haus die Vorform der alpinen Bauernhöfe. Kennzeichnend für diesen eisenzeitlichen Haustyp war ein halb in den Hang eingetiefter Raum aus Trockenmauern ohne Mörtelverbindung. Bisweilen statteten die Hausbewohner die Steinmauern mit einer Holztäfelung aus. Als Zugang diente ein häufig abgewinkelter Eingangkorridor. Das Obergeschoss bestand aus Holz. Im Zusammenhang mit dem Bau dieser Häuser sind bestimmte Kulthandlungen nachgewiesen. So wurden etwa magische Gegenstände oder Schalen mit Speisen eingemauert. Aus einem rätischen Haus in Eppan bei Bozen stammt ein bildlich verziertes Bronzegefäß. Aus derartigen Gefäßen servierten die Räter während ihrer Feste den Wein.


