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Das Rückenmesser vom Jochtal

Das Rückenmesser vom Jochtal

Glasklar und hart wie Stahl. Bergkristall ist ein Quarzmineral, das am Alpenhauptkamm natürlich vorkommt. Dort verwendeten die mittelsteinzeitlichen Jäger das Material gelegentlich als Rohstoff zur Herstellung von Geräten und Waffen.
Die Klinge vom Fundort Jochtal ist 13 mm lang und nur 7 mm breit. Eine Längsseite ist messerscharf, die andere als Messerrücken stumpf bearbeitet, um das Gerät an einem hölzernen Griff befestigen zu können. Das Rückenmesser diente womöglich als Schneidewerkzeug zum Zerteilen von Leder.


Bergkristall – schön und nützlich


Der farblose Bergkristall besteht aus Quarzmineral. Dessen natürliche Lagerstätten konzentrieren sich auf das Gebiet des Alpenhauptkammes. Das Material ist spröde, der Bruch muschelig. Damit besitzt Bergkristall ähnliche Materialeigenschaften wie Silex, weshalb die mittelsteinzeitlichen Jäger der Alpenregion Bergkristall bisweilen zur Herstellung ihrer Steingeräte benutzten. Allerdings ist Bergkristall etwas schwerer zu bearbeiten. Während von einem Silexknollen von allen Seiten her ein klingenförmiger Abschlag zur Weiterverarbeitung abgespalten werden kann, muss beim Bergkristall auf den Kristallaufbau geachtet werden, um brauchbare Abschläge zu erhalten. Die Arbeitstechniken bleiben bei Silex und Bergkristall allerdings dieselben. 
 


Geräte aus Bergkristall – eine seltene Ausnahme  


Als Rohmaterial zur Herstellung von Mikrolithen bleibt Bergkristall immer eine Ausnahme. Die mittelsteinzeitlichen Jäger Mitteleuropas bevorzugten stets Silex, um ihre Geräte und Waffen daraus zu fertigen. Deshalb kommt Bergkristall nur an wenigen der Hunderten steinzeitlichen Fundstellen im alpinen Hochgebirge tatsächlich vor. Wo sich entsprechende Geräte finden, beschränkt sich deren Anteil am gesamten Steingeräteinventar gewöhnlich auf 1 –10 %. Der auf 2000 m Höhe gelegene Fundort Jochtal am Alpenhauptkamm ist daher etwas Besonderes: Der Anteil der Geräte und Abschläge aus Bergkristall beträgt dort über 50 %. Dieser Umstand erklärt sich wohl aus der unmittelbaren Nähe des Fundortes zu einem natürlichen Bergkristallvorkommen.
 


Mikrolithen – die Allzweckgeräte  


Als Mikrolithen werden die kleinteiligen Steingeräte der europäischen Mittelsteinzeit bezeichnet. Mituntern sind die messerscharfen Klingen und Spitzen aus Silex nur wenige Millimeter groß. Deshalb mussten sie für den Gebrauch geschäftet werden. Dazu befestigte man sie mit Pech und Tiersehnen an einem Holzschaft. Mikrolithen kamen sowohl als Geschossspitzen für Pfeile oder Harpunen zum Einsatz, dienten als Werkzeuge zum enthaaren und schaben der Felle von Beutetieren. Außerdem konnten mit ihren scharfen Klingen das Fleisch und die Sehnen der erlegten Tiere leicht zerteilt werden. Auch bei der Holzbearbeitung zur Herstellung von Pfeilschäften, Bögen oder Speeren wurden sie benutzt.
Charakteristisch für Mikrolithen ist ihre geometrische Grundform. Für die ältere Mittelsteinzeit von 8000 bis ca. 6000 v. Chr. sind insbesondere dreieckig geformte Mikrolithen kennzeichnend. Im jüngeren Mesolithikum von 6000 bis 5000 v. Chr. herrschen Trapeze vor. 
 


Alltag Jagd


Die Menschen der europäischen Mittelsteinzeit jagten vor allem mit Pfeil und Bogen. Bevorzugte Beute in höheren Gebirgslagen der Alpen waren Herdentiere wie Steinbock oder Gämse. In den Wäldern stellten die Jäger dem Rotwild nach. Beim Fischfang kamen mitunter Knochenharpunen zum Einsatz. Das sind spezielle Speere mit Widerhaken.
Als Spitzen und Widerhaken der Waffen dienten die Mikrolithen aus Silex oder Bergkristall. Diese kleinteiligen Geschossspitzen wurden mit Pech und Tiersehnen an einem Holzschaft befestigt. Die Enden der Pfeilschäfte waren befiedert.